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Puerto Angel und Zipolite


Nach so viel Kultur, haben wir uns gedacht, muß auch mal ein bißchen Pause und Baden sein ... Also haben wir uns auf den Weg nach Puerto Angel, einem kleinen Ort an der Pazifikküste gemacht. Schon die Hinfahrt war recht lustig: Erstmals war die Straße furchtbar beinander, dann traf ich im Bus einen einheimischen Fassadenmaler, mit dem ich ins Reden kam (ich redete "Spanisch", er antwortete "Englisch", wir wollten beide üben....) und schließlich liefen wir noch zwei schweizer "Globetrottern" über den Weg, mit denen wir dann auch noch die letzte Teilstrecke im Taxi unterwegs waren. Der Clou dabei: WIR hatten mit dem Fahrer verhandelt, SIE nicht... also zahlten wir für die gleiche Strecke ein Drittel des Preises... WAS FÜR EINE FREUDE!
In Puerto Angel angekommen wurden wir zur Begrüßung gleich einmal völlig durchnäßt. Es regnete nämlich in Schaffeln und wir waren auf Herbergsuche... Nettes Quartier zu angenehmem Preis fanden wir schließlich bei einem angeblichen Deutschen Aussteiger, den wir jedoch nie zu gesicht bekamen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch erstmals wirkliche Sprachschwierigkeiten meistern (kein Englisch, Deutsch schon gar nicht...) und durften sogar noch für die  zwei Schweizer dolmetschen. Ach ja, das Bild rechts ist übrigens ein Blick aus unserem Zimmer...
Puerto Angel und der daneben gelegene "Badeort" Zipolite (der eigentlich nur eine Ansammlung von Strohhütten, Strohhäusern, Strohpalästen und Hängematten ist) bestehen etwa zu einem Drittel aus Einheimischen, zu einem Drittel aus Hippie-Aussteigern und das letzte Drittel verschwimmt in einer Grauzone irgendwo dazwischen. Ach ja, und irgendwo krebsen noch ein paar Prozent Soldaten herum, Puerto Angel hat nämlich einen winzigen Militärstützpunkt. Touristen waren hier (bis auf uns und die Schweizer) praktisch keine zu sehen... vielleicht lags ja auch an der Jahreszeit
Der Strand von Zipolite selbst ist fast schon paradiesisch. Zumindest bis zu dem Moment, wenn man in das 32 Grad Celsius warme Wasser (mhhh...) steigt und von der ersten Welle , die  höher als bis zu den Knien geht, fast weggerissen wird (Ahhhrghh!). Grausige Verdachtsmomente werden dann bestätigt, wenn man den Reiseführer nochmal durchblättert und bei näherer Lektüre feststellt, daß "Zipolite" auf indianisch so viel wie "Strand des Todes" bedeutet. Und endgültig vorsichtig wird man, wenn man von Einheimischen hört, daß hier fast jedes Monat mal einer weggespült wird..., vor einigen Wochen erst drei Schulkinder... 
Aber wunderschön ists hier natürlich schon. Und hier kann man Leute treffen, wie sonst nur in einem Roman... Zum Beispiel der Alte, der jahrelang aus leeren Plastikkanistern ein Floss baut, das er dann mit Erde anschütten und vor der Küste als Hippiekommune verankern will. Das aber dann fast kentert und beschlagnahmt wird... Oder ein anderer, der nur halb abwesend raunt "the people like it, when it rains, because the mushrooms grow, the mushrooms grow...". Ach ja, und ein Taxler, der gleich beim Einsteigen fragt "you like haschisch?"

Palenque


Danach ging es wieder ins Landesinnere... In einer nächtlichen Busfahrt durchquerten wir weite Teile der damals wie heute von Aufständen gebeutelten Provinz Chiapas und erreichten in den Morgenstunden die Stadt San Christobal de las Casas, Hochburg der Zapatisten (eben der Aufständischen, die für mehr Rechte der Indigenos, der Nachfahren der Ureinwohner, eintreten). Mit einem Anschlußbus nur eine gute Stunde später ging es dann durch furchtbares Sauwetter nach Palenque. Und dort waren wir erstmal fertig von der langen Fahrt... 
Der nächste Morgen empfing uns mit Sonnenschein, also Idealwetter für die Besichtigung der Ruinen von Palenque. Am Eingang zur Halbinsel Yucatan gelegen kamen wir nun erstmals mit reiner Mayaarchitektur in Kontakt, die sich vor allem durch reiche Ornamente auszeichnet. In manchen extremen Fällen spricht man (durchaus treffend) sogar von Maya-Barock. Der berühmteste Tempel von Palenque ist der Templo de las Inscriptiones, der Tempel der Inschriften, so benannt nach den Platten voller Maya-Bilderschrift, die man auf ihm gefunden hat und die sich noch heute dort befinden, aber leider schon von Wind und Wetter ziemlich mitgenommen sind...
Fast noch berühmter ist aber das, was der Tempel der Inschriften in seinem Inneren zu verbergen gehabt hat, nämlich das Grab des Pakal, eines der mächtigsten Herrscher von Palenque. Seine Jademaske und die Grabbeigaben wurden nach Mexico City abtransportiert, aber die reich geschmückte Abdeckplatte des Sarges ist noch immer in Palenque... man brachte sie nicht aus dem Tempel raus, sie ist zu schwer und sperrig! Und sie trägt, laut Erich von Däniken, die Abbildung eines Raumfahrers... eines außerirdischen Raumfahrers, wohlgemerkt!
In Palenque trafen wir auch ein weiteres Original, einen alten Archäologen aus Kanada mit seinem jungen, einheimischen Begleiter. Als er merkte, daß wir uns für die Ruinen interessierten, war er fast nicht mehr zu stoppen. Er sei seinerzeit, ganz am Anfang dabeigewesen, und jetzt wolle er noch einmal hierherkommen, um einen letzten Blick auf etwas zu werfen, das ganz offensichtlich Teil seines Lebenswerkes war. Es war ein rührender Anblick, als er langsam und fluchend, aber doch , die steile Treppe zur Grabkammer des Tempels der Inschriften hinabkletterte... Er empfahl uns dann noch einen Tempel in der Nähe von Merida zur Sonnwende zu besuchen (wir waren gerade zu der Zeit in Mexico...), was wir aber dann einige Tage später einfach verschliefen... was solls, schade drum!
Daß Palenque etwas ganz Besonderes ist, sieht man auch am sogenannten "Palast" mit dem "Observatorium", dem einzigen bekannten Turm aus Majatagen. Interessant auch, daß der gesamte Palast mit unzähligen Gängen unterkellert ist, die wie geschaffen dazu sind, um ein bißchen Indiana Jones zu spielen... vorausgesetz, man hat eine Taschenlampe dabei und fürchtet sich nicht allzusehr vor Fledermäusen und Spinnen...
Tja, und hier sieht man ein typisches Beispiel der Bilderschrift der Maya... bitte nicht fragen, was das hier heißt... Außerdem hatten die Maya ein komplettes Zahlensystem und einen genialen Kalender. Letzteren brauchten sie auch, denn sie waren absolute Fanatiker, was das genaue Messen der Zeit angeht. Sie ernteten, opferten nach Kalender, sie führten ihre Kriege nach dem Kalender und sie hatten auch schon ein genaues Datum für den Weltuntergang ins Auge gefaßt...
Was einem außerdem klar sein muß, wenn man Palenque besucht, ist, daß noch lange nicht alles ausgegraben ist. Die Holzhütten der Einwohner sind zwar auch hier längst verschwunden, aber ringsum zeichnen sich im Dschungel noch unzählige Konturen weiterer Tempel ab... es fehlt halt nur am lieben Geld, um sie freizulegen... In acht nemen sollte man sich in dieser Gegend allerdings vor Insekten...
Da sitze ich friedlich und nichts Böses ahnend auf den Stufen eines Tempels, als ich plötzlich einen Schatten spüre, dann setzt sich mir etwas großes krabbelndes auf den Hals und begibt sich langsam auf Wanderschft Richtung Haare und Ohr... "Bernhard, tu was!!!", sage ich, ohne mich zu bewegen. "Was soll ich denn DA tun???" meint er. "VISPA!!! VISPAAA!!!" schreit ein Mexikaner, schnippt eine 8cm Riesenhornisse von meinem Kopf weg und tritt gleich mehrmals wie wild drauf. Dann fragt er, ob sie mich hoffentlich nicht gestochen hat. "Nein...", sage ich... und bin ein bisserl fertig.

Seite zuletzt bearbeitet am  10.1.2000 von Christian